Magdeburg | Im November wird Deutschland den Mauerfall vor 25 Jahren feiern. Nie war Deutschland so in Freude vereint. Die Wiedervereinigung knapp ein Jahr danach war schon eine recht nüchterne Angelegenheit. Danach kam Katerstimmung auf – in Ost und West.

 „Wir sind kein Volk“ betitelte der Fernsehmoderator Wolfgang Herles 15 Jahre später eine Polemik aus der Sicht eines etwas spießigen westdeutschen Bildungsbürgers. Und die Deutsche Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) schuf den ostdeutschen Wendeverlierer als neuen Typus eines gesellschaftsfernen Konsumverweigeres.

Eine Sammlung mit DDR-Produkten im Ostalgie-Kabinett Langenweddingen. | Foto: Yvo

Eine Sammlung mit DDR-Produkten im Ostalgie-Kabinett Langenweddingen. | Foto: Yvonne Heyer

Das Unbehagen des westdeutschen Spießers und des ostdeutschen Grantlers speiste sich zum größten Teil aus Missverständnissen. Heute – nach 25 Jahren – sind die meisten ausgeräumt. In den „neuen Ländern“ traf es nach einem Rausch aus Freiheit und Konsum alle unvorbereitet, dass Freiheit Strukturen sprengt, Scheitern ermöglicht, Ungleichheit vergrößert und viel mehr Verantwortung auf den Einzelnen verlagert.

Das ist nicht einmal zehn Jahre her. Heute unvorstellbar. Dem größten Missverständnis hingen jedoch fast alle an: „Die Marktwirtschaft wird es schon richten. Blühende Landschaften – am besten sofort“. Man hätte es besser wissen müssen. In Bayern hat es von 1960 bis 1985 gedauert, bis die Menschen einen Einkommensrückstand von zehn Prozent zum Durchschnitt aufgeholt hatten. 25 Jahre. Gemessen daran sind die vergangenen 25 Jahre äußerst erfolgreich gewesen.

In unserer Serie wollen wir den Blick zurück und nach vorn wenden. Aus der Distanz sieht man oft besser. Und gemessen an den gewaltigen Umwälzungen sind 25 Jahre eine kurze Distanz.

Es werden noch ein paar Jahre vergehen, bis die letzten Unterschiede egalisiert sind. Für immer bleibt der große Tag, als die Bürger der DDR den Mauerfall erzwungen haben.

Erinnern Sie sich mit uns und schreiben Sie, was sich für Sie in 25 Jahren verändert hat.

Alois Kösters
Chefredakteur

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